Donnerstag, 24. August 2017

Reisen: Tagesausflug nach Worms

Wie ich auf die Idee gekommen bin, einen Tagesausflug nach Worms zu machen, ist eine längere Geschichte und hat mit schönem Wetter und Geocaching zu tun. Jedenfalls habe ich mich an einem sonnigen Sonntag mit dem Zug Richtung Worms aufgemacht. Die Stadt begrüßte mich mit einem ausgeklügelten Touristenleitsystem, was mich direkt durch die eher uninteressante Einkaufsstraße zum Zentrum lotste, wo sich das bekannte Lutherdenkmal und auch der Dom befinden.


Die Innenstadt mit vielen alten Gebäuden, Kirchen und Museen ist definitiv was für Kulturinteressierte.
Ich hab mir das aber nicht alles angeschaut, sondern bin weiter zur Rheinpromenade, die echt hübsch und bei dem schönen Wetter gut besucht ist. Über den Rhein führt eine Brücke, die mit etwas aufwarten kann, das die Aufmerksamkeit eines jeden Autofahrers auf sich lenkt, der Worms durchquert: der Nibelungenturm.


Neben Luther sind die Nibelungen das bekannteste Steckenpferd Worms und in der gut erhaltenen, alten Stadtmauer befindet sich ein Nibelungenmuseum, das mich interessiert hätte, wenn es nicht so warm und sonnig draußen gewesen wäre.
So habe ich mich nach einem Abstecher in den Stadtpark mit einem Eis in der Hand wieder auf den Rückweg gemacht.
Für einen Tagesausflug lohnt sich Worms definitiv, einen längeren Urlaub sollte man nur dort machen, wenn man sehr kulturinteressiert ist.

Montag, 14. August 2017

Reisen: Bodensee

Der Bodensee ist im Sommer ideal für alle Arten von Urlaubern: die, die nur am Strand entspannen wollen, die Sportlichen, die am liebsten wandern gehen oder auf einem Boot über den See düsen und diejenigen, die sonst eher Städteurlaub bevorzugen und Sightseeing mögen. Ich mag alles drei und hatte bei einer Woche 30 Grad Celsius auch für alles das passende Wetter und genug Zeit.

Wenn man sich eine Karte kauft, mit der man dann freien Eintritt in so ziemlich alle Attraktionen auf der deutschen, österreichischen und schweizerischen Seite hat und mit den Passagier-Schiffen auf dem See fahren kann, spart man viel Geld, vorausgesetzt, man liegt nicht nur faul am Strand. So konnte ich mir diverse Museen ansehen, ....


Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen ist ein Muss!


in der Schweiz und in Österreich mit Seilbahnen auf Berge fahren, ....


Ausblick vom Pfänder auf Bregenz und den Bodensee


mit dem Schiff in die Schweiz fahren, um den Witzweg zu wandern ...


Idyllisches Appenzeller Land

und abends im türkisblauen Wasser des Bodensees entspannen.

Freitag, 11. August 2017

Rezension: Ein plötzlicher Todesfall



Nachdem ich vor ein paar Monaten den Krimi ,,Der Seidenspinner" von Robert Galbraith (alias J.K. Rowling) gelesen hatte, habe ich mich jetzt an ,,Ein plötzlicher Todesfall" gesetzt. Diesen 570 Seiten umfassenden Roman hat Rowling 2012 unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht und obwohl der deutsche Titel danach klingt, ist es kein Krimi.

Es geht um die englische Gemeinde Pagford und ihre Einwohner. Pagford hat schon seit Jahrzehnten einen Streit mit der Nachbarstadt um die Siedlung Fields. Keine der beiden Gemeinden will die Sozialbausiedlung innerhalb ihrer Stadtgrenzen haben, aber aktuell liegt sie in Pagfords Verantwortung. Die Einwohner von Pagford lassen sich politisch gesehen einem der zwei verfeindeten Lager zuordnen: entweder den Befürwortern oder den Gegnern von Fields.

Als dann plötzlich ihr größter Befürworter und Gemeinderat, der allseits beliebte Barry Fairbrother, stirbt, tut sich in Pagford und im Leben der Einwohner eine Lücke auf, die niemand so recht füllen kann.
Die Familie Mollison, Gegner von Fields, stürzt sich sofort auf den leer gewordenen Ratssitz (Originaltitel: ,,The Casual Vacancy"), doch es gibt auch politische Herausforderer.
Alle Familien haben privat Probleme, die Einfluss auf das ganze Leben in dem kleinen Ort nehmen, denn in Pagford wir viel getratscht und gelästert, sobald jemand aus der Rolle fällt. So wird in der Familie Price häusliche Gewalt verheimlicht, bei den Walls eine schwere psychische Erkrankung und die Jawandas bekommen nichts von dem Mobbing mit, unter dem ihre Tochter leidet. Die Kinder der Familien haben die Heuchlerei ihrer Eltern satt und wehren sich dagegen, indem sie anonym als ,,Geist von Barry Fairbrother" im Internet die größten Geheimnisse ihrer Familien aufdecken.
Am meisten Probleme von allen hat die Familie Weedon, die in Fields in einer heruntergekommenen Sozialwohnung lebt: Mutter drogenabhängig, 16-jährige Tochter versucht, sich alleine um ihren vierjährigen Bruder zu kümmern und prügelt sich mit jedem, der ihr in die Quere kommt.

Der Roman hält nur für einige der zahlreichen Figuren ein Happy End bereit, viele Geschichten enden tragisch. Anders als die Harry Potter - Reihe (meine Lieblingsbücher) , ist ,,Ein plötzlicher Todesfall" definitiv nichts für Kinder. Die Sprache verschleiert nichts, (sexuelle) Gewalt kommt zur Genüge vor und die sozialen Probleme der Charaktere sind nichts für ganz schwache Nerven.

Größter Pluspunkt dieses Erwachsenenromans ist Rowlings gewohnt fesselnder Schreibstil, der mich das Buch innerhalb weniger Tage hat durchlesen lassen, obwohl die Art von Geschichte eigentlich gar nicht so mein Ding ist (wo sind die Drachen, die Zwerge oder die Raumschiffe? :) ).
Auch die sehr zahlreichen Charaktere sind gut herausgearbeitet, vielschichtig und nicht einfach gut oder böse. Jede Person hat sowohl gute als auch schlechte Charaktereigenschaften und selbst die fiesesten unter ihnen haben Beweggründe für das, was sie tun. Durch die häufigen Perspektivwechsel, die mich auf den ersten Seiten noch verwirrt haben, erhält man Einblick in die Beweggründe aller Charaktere und sie machen das Buch auch abwechslungsreich und spannender.

Was die Geschichte an sich angeht, ist das Genre wie gesagt nicht wirklich mein Expertengebiet. Ich muss allerdings sagen, dass mir die Geschichte von ,,Der Seidenspinner" etwas besser gefallen hat, obwohl auch Krimis nicht gerade mein Spezialgebiet sind.

Wer also Rowlings Schreibstil mag und von ihr mal etwas anderes als Harry Potter lesen möchte, dem würde ich abhängig vom Interessengebiet eher ,,Ein plötzlicher Todesfall" oder aber ihre Krimis vorschlagen.

Sonntag, 4. Juni 2017

Reisen: Traumland Kanada (Teil 4)



Der letzte Teil meines Kanada - Rückblickes...


Traumland Kanada - Teil 4 (vom 03.06.2016)

10 Monate sind um und ich bin wieder zurück in Deutschland. Was ich alles noch in meinen letzten Monaten in meinem Traumland erlebt habe, erzähle ich euch hier.

Gewohnte Umgebung
Den März 2016 habe ich noch bei meiner Gastfamilie in Quesnel verbracht und konnte, während ich meine (Ab-)Reise plante, einen warmen Frühling mit Geocaching, Kanufahren und einem netten Osterfest genießen. Anfang April verabschiedete ich mich dann von all meinen Bekannten dort und machte mich zum zweiten Mal alleine auf den Weg durch Kanada und in die USA. Meine erste Station war das Hostel in Victoria, in dem ich schon mal gearbeitet hatte. Diesmal blieb ich drei Wochen dort und im Anschluss flog ich von Vancouver nach Los Angeles.

South California, USA
Südlich von LA wohnen entfernte Verwandte von mir und so nutzte ich natürlich die Gelegenheit, wenn ich schon einmal auf dem amerikanischen Kontinent war, sie dort zu besuchen.
Viele Europäer erwarten vermutlich keine großen Unterschiede in der Kultur Kanadas und der USA. Es stimmt, in einigen Dingen sind sie sich sehr ähnlich, z.B. darin, dass sie überall mit dem Auto hinfahren. Allerdings sind mir auch einige Unterschiede aufgefallen. Meiner Meinung nach ist die Mentalität der größte. Kanadier sind bekannt für ihre Offenheit, ihre Toleranz und ihre Art, alles ,,locker anzugehen." Amerikaner hingegen sind etwas verschlossener, konservativer und legen deutlich (!) mehr Wert auf materielle Dinge wie ein hohes Einkommen, ein schickes Auto und Konsum. Kanadier würden auch nie und nimmer einen Trump als Präsidenten haben wollen.
In Bezug auf Umwelt(schutz) gibt es leider nicht viel Positives zu berichten. Wenn die Kalifornier so viel Auto fahren, dass sie (beidseitig!) sechsspurige Freeways brauchen, auf denen dann noch Stau ist, sagt das schon viel über ihre Prioritäten aus. Ich habe in LA allerdings auch sehr viele Elektro- und Hybridautos gesehen und an jeder Ecke gab es Steckdosen für E-Autos. So eine weite Verbreitung würde ich mir auch in Deutschland wünschen. Damit nicht jeder Einwohner LAs mit einem eigenen Auto die Straßen verstopft, gibt es eine extra Spur für Carsharing-Fahrzeuge, auf der nur Autos mit mindestens zwei oder drei Insassen fahren dürfen.
Zwei Wochen habe ich in Südkalifornien verbracht und bin während dieser Zeit im Pazifik geschwommen, war in Hollywood und habe die Universal Studios besucht.




Idyllisches Tofino
Für weitere zweieinhalb Wochen bin ich dann wieder nach Kanada geflogen. Über meinen 19. Geburtstag war ich in dem kleinen Ort Tofino an der Westküste Vancouver Islands. Diese Woche dort gehört definitiv zu den Highlights meines Kanadaaufenthaltes. An meinem Geburtstag hatte ich meine erste Surfstunde und einen Tag später habe ich eine Tour zu den Hot Springs gemacht. Wir sind auf dieser Tour mit einem Boot zu den sogenannten Hot Springs, natürlichen heißen Quellen (in denen man auch baden kann) gefahren. Während der Bootsfahrt haben wir Grauwale, Orcas, Seelöwen und Weißkopfseeadler gesichtet. Zu den Hot Springs sind wir noch eine Weile durch Vancouver Islands zauberhaften Regenwald gewandert und den Weg zurück nach Tofino bin ich mit einem Wasserflugzeug geflogen. Der Wasserflugzeugflug war ein lang gehegter Traum von mir und obwohl er teuer war, hat sich jeder Cent gelohnt. Ich konnte nicht nur die wunderschöne, beinahe unberührte Natur von oben sehen, sondern auch eine Grauwal-Familie mit Baby.
Auf dem Weg von Tofino zu meiner letzten Etappe nach Vancouver hatte ich dann auch endlich das Glück Schwarzbären am Straßenrand zu sehen.




Miss you, Canada!
Mein Aufenthalt endete dort, wo er angefangen hatte: in Vancouver. Anderthalb Wochen hatte ich noch Zeit, um all das zu unternehmen, was noch auf meiner To-Do-Liste stand. Dazu gehörten der Besuch der Science World, der Capilano Suspension Bridge und eine Fahrradtour durch den riesigen Stanley Park. Schweren Herzens verabschiedete ich mich von der Stadt, die einmal die grünste der Welt werden will und von dem Land, das für mich zu einem zweiten zu Hause geworden war.
Als ich in Deutschland landete, war ich erstmal froh, wieder in der Heimat zu sein, aber komisch fühlte es sich doch an, nachdem ich so lange weg gewesen war. Seit einer Woche bin ich nun wieder zu Hause und habe mich schnell wieder in meiner Heimatstadt eingelebt. Ich vermisse Kanada (und vor allem das Reisen) zwar, aber ich freue mich auch auf mein Studentenleben, das diesen Herbst beginnt.

Fazit: Wer sich so etwas zutraut und offen gegenüber anderer Kulturen ist, dem empfehle ich es auf jeden Fall, ein Auslandsjahr zu machen. Und es sollte schon ein Jahr sein, denn zehn oder zwölf Monate sind nochmal etwas ganz anderes als nur sechs oder vier. Ich bin im Nachhinein auch froh, es nach und nicht während der Schulzeit gemacht zu haben. So habe ich nämlich eine Auszeit zwischen Schule und Studium gehabt, hatte viel mehr Zeit zum Reisen innerhalb des Landes, bin selbstständiger geworden und kann mich jetzt auf eine aufregende Unizeit freuen statt wieder zurück in die Schule zu müssen.
Mein großer Traum von Kanada hat sich also erfüllt!

Montag, 29. Mai 2017

Reisen: Traumland Kanada (Teil 3)

Traumland Kanada - Teil 3 (vom 17.03.2016)

Nach einer wunderbaren ersten Hälfte meines Aufenthaltes in meinem Traumland, habe ich mich auf einen langen, kanadischen Winter bei meiner Gastfamilie im kleinen Quesnel gefreut. Leider machte mir da die Globale Erwärmung einen Strich durch die Rechnung.

Christmas & New Year's Eve
Im Gegensatz zu den meisten von euch hatte ich im Jahr 2015 eine weiße Weihnacht. Vor Weihnachten warnen einen ja alle immer am meisten, wenn man für eine längere Zeit ins Ausland will. Angeblich soll man da die schlimmsten Heimweh-Attacken bekommen. Bei mir war es anders. Gerade weil ich nicht zu Hause war und die Umstände so anders waren als sonst, war ich irgendwie den ganzen Dezember nie so richtig in Weihnachtsstimmung. Das ist vermutlich der Grund, warum ich dann an den Weihnachtstagen meine Familie auch nicht mehr vermisst habe als sonst.
Weihnachten war also nichts besonderes, Silvester hingegen war definitiv außergewöhnlich. Ich habe die Silvesternacht zusammen mit Bekannten in einer kleinen Berghütte verbracht. 5000 Quadratkilometer um uns herum waren nur Schnee, Berge, Bäume und nochmal Schnee. Wir hatten keinen Strom und kein fließend Wasser und es war bisher das beste Silvester, das ich jemals erlebt habe. Den Tag über war ich Schneeschuhwandern im Bergwald und abends haben wir den schönsten und klarsten Sternenhimmel betrachten können, den ich je gesehen habe. Ironischerweise ist kein einziger meiner Bekannten bis Mitternacht aufgeblieben. Ich selber lag beim Jahreswechsel auch schon im Schlafsack, war aber noch wach. Aus dem kleinen Fenster neben mir konnte ich teilweise den Himmel sehen und gegen halb eins sah ich auf einmal etwas Grünes am Himmel flackern. So leise wie ich konnte habe ich mir meine Schneehose über den Schlafanzug gezogen, meinen Fotoapparat geschnappt und bin im Stockdustern durch den hüfthohen Schnee zu dem Holzfällerweg in der Nähe unserer Hütte gestapft. Und da waren sie, nicht sehr stark, aber trotzdem einfach wunderschön: die Polarlichter!




Kein Work, kein Travel
Nach so einem unglaublichen Jahresbeginn ging es leider für mich nicht so gut weiter. Ich habe mich auf die Suche nach einer Arbeit gemacht und mich gefühlt in jedem Geschäft der Kleinstadt, in der ich im Moment lebe, beworben. Niemand wollte mich haben und so hatte ich viiiiiiel Freizeit. Ich bin allerdings ein Mensch, der immer irgendwas zu tun haben muss und so wurde mir schon nach kurzer Zeit langweilig. Ich habe zwar versucht, mich zu beschäftigen und gehe seit Januar hier zum Bogenschießen, zum Yoga und ich lerne Gitarre spielen, aber ich hatte einfach so viel Zeit, dass ich irgendwann nicht mehr wusste wohin damit. Im Februar bin ich dann auch noch krank gewesen und so waren die ersten beiden Monate des Jahres 2016 für mich alles andere als toll.

Winter???
Dazu kam auch noch, dass in der Stadt der Schnee schon Ende Januar verschwunden war (normalerweise liegt hier mindestens bis März Schnee). Nichtsdestotrotz hatte ich die Chance sowohl Langlauf-Ski als auch Abfahrts-Ski fahren zu lernen. Mittlerweile wird selbst der Schnee in den höheren Lagen in den Bergen rar und alle Einheimischen wundern sich über den frühsten Frühlingseinbruch, den diese Gegend jemals gesehen hat. Klimawandel, sag ich da nur.
Es gibt allerdings auch einige positive Dinge vom kanadischen Winter zu berichten. Da hier normalerweise so viel und lange Schnee liegt, können die Kanadier super damit umgehen. Da sie so sehr auf ihr Auto angewiesen sind und es (leider) so viel benutzen, sind die Straßen immer freigeräumt. Erfreulicherweise kann ich berichten, dass zum Streuen kein umweltschädliches Salz verwendet wird, sondern Kies und Sand.
Auch im Winter lieben die Kanadier ihren Outdoorsport und es wird jeder freie Tag mit Schnee genutzt, um Ski zu fahren (es macht aber auch einfach wahnsinnig Spaß :)).





Wie geht's weiter?
Den Rest des Märzes werde ich nun mit meinen (Ab)Reiseplanungen verbringen, denn im April werde ich mich wieder auf die Reise begeben, unter anderem nach Los Angeles, Tofino und zum Abschluss nochmal nach Vancouver, dem Ort, an dem alles angefangen hat. Ende Mai fliege ich dann auch schon nach Hause und kann euch von Deutschland aus noch von den letzten Monaten meines Work&Travel-Aufenthaltes berichten.

Kleine Abschlussanekdote:
Dass die Einwohner Nord BCs nicht viel Fahrrad fahren, erkennt man daran, dass sie
1. sich nicht umdrehen und aus dem Weg gehen, wenn man klingelt.
2. einen alle anstarren als wäre man verrückt, wenn man im Februar mit dem Fahrrad durch die Stadt fährt.

Freitag, 26. Mai 2017

Reisen: Traumland Kanada (Teil 2)




Vor genau einem Jahr bin ich nach 10 Monaten in Kanada wieder in Deutschland gelandet...


Traumland Kanada - Teil 2 (vom 22.05.2015)

Die Hälfte meines Aufenthaltes in meinem Traumland Kanada ist schon vorbei! Die ersten fünf Monate gingen rückblickend sehr schnell vorbei. Ich habe aber unheimlich viel erlebt und sehr viele (gute!) Erfahrungen gemacht. Insbesondere in den vergangenen zwei Monaten, denn die habe ich mit Reisen verbracht.

Toronto, Niagarafälle und Orangeville
Ganz auf mich allein gestellt habe ich mich im Oktober nach Toronto aufgemacht. Der Weg dorthin war ein Höllentrip, aber er hat sich definitiv gelohnt. Vom kleinen Quesnel in der Mitte von British Columbia bin ich zunächst zum etwas größeren Prince George gebracht worden. Von dort aus bin ich mit dem Greyhound-Fernbus (Transportmittel Nummer 1 für Work und Traveller) nach Edmonton gefahren. In Edmonton musste ich dann mit zwei Stadtbussen von der Greyhoundstation in der Innenstadt zum weiter außerhalb gelegenen Flughafen. Auf dem Flug Richtung Osten hatte ich einen wunderschönen Blick auf den sich orangerot verfärbenden Himmel.




Als ich in Toronto gelandet war, war der Weg natürlich noch nicht zuende. Ich bin mit dem Zug vom Flughafen in die Innenstadt gefahren und musste dann nochmal zwanzig Minuten zum Hostel laufen. Gegen Mitternacht kam ich dort an, für den ganzen Weg von Quesnel bis zum Hostel habe ich ungefähr 30 Stunden gebraucht (mit vieeeel Wartezeit zwischendrin).
In Toronto habe ich zwei Wochen verbracht und musste feststellen, dass die größte Stadt Kanadas deutlich mehr den europäischen (und vermutlich auch us-amerikanischen) Großstädten ähnelt. Von der Natur sieht man zwischen den ganzen Hochhäusern nicht mehr besonders viel und diese Art Kleinstadt-Charme, die Vancouver in manchen Stadtteilen ausstrahlt, hat Toronto nicht.
Ich war auf dem berühmten CN-Tower; deutlich besser hat mir aber das Casa Loma gefallen, ein Schloss, das von außen so alt aussieht wie europäische Schlösser, innen aber mit der Technik des frühen zwanzigsten Jahrhunderts ausgestattet ist.
Großartig fand ich außerdem auch das Science Center. Dort habe ich viel Neues aus dem Bereich der Naturwissenschaften gelernt, vermittelt durch Experimente zum selber ausprobieren.
An den letzten zwei Tagen habe ich mich in Toronto mit einer deutschen Freundin getroffen und wir sind zusammen zu den Niagarafällen gefahren. Über die Niagarafälle kann ich nur berichten, was viele andere vor mir schon gesagt haben: die Wasserfälle selber sind beeindruckend, aber sie sind eben nicht von Wildnis und Natur umgeben, sondern vom ziemlich hässlichen Ort Niagara Falls mit all seinen Kasinos und Hotels.
Danach habe ich mit meiner Freundin zwei Tage im kleinen Ort Orangeville nahe Toronto verbracht, was ziemlich cool war, da ihre Gastfamilie in einer umgebauten, alten Kirche wohnt.

Squamish, nicht Whistler, Vancouver
Von Toronto aus bin ich nach Vancouver geflogen und dort von Bekannten abgeholt worden, bei denen ich dann eine Woche in der Stadt Squamish als Gast verbracht habe. Mein ursprünglicher Plan war es, von dort aus dann nach Whistler zu fahren und den Winter dort im Skiresort zu arbeiten. Da ich aber dort keine Arbeit gefunden habe und ich eh (noch) kein Ski fahren kann, habe ich mich umentschieden und bin stattdessen ohne einen großen Plan erstmal für drei Nächte in Vancouver geblieben. Dort habe ich dann die Bestätigung einer Bewerbung bei einem Hostel in Victoria bekommen und habe mich mit der Fähre auf nach Vancouver Island gemacht.

Victoria und Nanaimo
In dem Hostel in Victoria habe ich letztendlich einen Monat gelebt und gearbeitet. Abgesehen von den vielen Obdachlosen, die sich im Winter in die wärmste Stadt Kanadas zurückziehen, hat mir Victoria als Stadt super gefallen. Der Blick vom südlichen Ende Vancouver Islands auf das Meer und die Olympic Mountains der USA ist atemberaubend. Und ich habe sogar einige Robben im Wasser gesehen.




Im Hostel habe ich mich mit einer Südkoreanerin angefreundet und wir sind zusammen im Regenwald (jaa, in Kanada gibt es Regenwald) wandern gegangen. Dieser Wald, der sich nur an der Westküste finden lässt, ist definitiv der schönste Wald, den ich bisher in Kanada gesehen habe. Alles ist mit Moss überwachsen, man hört etwas im Unterholz rascheln und blickt fasziniert zu den riesigen Bäumen empor.




Nach dem Monat in Victoria habe ich noch drei Tage in Nanaimo (auch auf Vanouver Island) verbracht und bin dann von Vancouver aus zurück nach Quesnel gefahren.

Der Anfang des kanadischen Winters
Im Gegensatz zu Deutschland ist es hier in Quesnel aktuell um die -10 Grad Celsius kalt und es liegt genug Schnee zum Skifahren (was ich am letzten Samstag zum ersten Mal in meinem Leben gemacht habe) und Eislaufen auf zugefrorenen Seen. Der Winter ist allerdings auch hier ungewöhnlich spät und mild hereingebrochen. Woran das liegt weiß keiner so genau. El Nino? Globale Erwärmung? Vermutlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle.
Ich freue mich jetzt auf eine weiße Weihnacht und die zweite Hälfte meines Aufenthaltes im wunderschönen Kanada und wünsche euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!!

Donnerstag, 25. Mai 2017

Reisen: Traumland Kanada (Teil 1)




Vor genau einem Jahr bin ich nach 10 Monaten in Kanada von Vancouver zurück nach Frankfurt geflogen. Ich vermisse das Land, das Reisen, das Abenteuer ...
Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch keinen Blog, aber ich habe trotzdem woanders Berichte veröffentlicht, die ich jetzt zum ersten Jahrestag hier nochmal reinstelle.



Traumland Kanada - Teil 1 (vom 20.09.2015)

Endlich habe ich die Zeit gefunden, meinen versprochenen Bericht aus Kanada zu schreiben. Ich bin hier in British Columbia nun schon seit zwei Monaten und wie nicht anders zu erwarten hat mich das Land von Anfang an verzaubert...

Der Weg ist das Ziel
Seit ungefähr fünf Jahren schon ist es mein großer Traum gewesen, ein Jahr in Kanada zu verbringen. Warum unbedingt Kanada? Diese Frage stellen mir viele und eine konkrete Antwort darauf habe ich nicht. Ich wollte schon während der Schulzeit in ein englischsprachiges Land und ich wollte nicht dorthin, wo alle hin wollen: USA, Australien, Groß Britannien. Da mir natürlich als WWF-Jugend-Mitglied die Natur sehr am Herzen liegt und ich aber gerne auch mal einen Städtetrip mache, schien mir Kanada die perfekte Wahl. Wie ich jetzt aus Erfahrung berichten kann, kann man hier direkt von der Metropole aus im Wald oder im See abtauchen. Ich habe gefühlt mehr als fünf Jahre darauf gewartet, dass der zweiundzwanzigste Juli 2015 endlich Gegenwart wird. Dabei stand mein Auslandsaufenthalt zwischenzeitlich immer wieder auf der Kippe. Zuerst als ich herausfand, dass es für Kanada kein Au-pair- Programm wie etwa für die USA gibt, dann als sich herausstellte, dass aus meiner Alternative, dem Work-and-Travel-Aufenthalt, auch nichts werden würde, weil ich zu jung zur Visumsantragsstellung war. Ich hielt trotzdem an meinem Plan fest, dann mindestens für ein halbes Jahr als Tourist nach Kanada zu gehen. Letztendlich habe ich mein Working-Holiday-Visum doch noch bekommen und bleibe nun bis Mai 2016 in meinem Traumland.





Bisher...
...habe ich schon einiges von der Cariboo-Region gesehen, in der ich im Moment lebe, war auf einem Festival, in Edmonton (im größten Einkaufszentrum Nordamerikas), campen und in Vancouver. Ich arbeite aktuell in einem Supermarkt, um meine anstehende Reise nach Toronto zu finanzieren und habe mich für den Winter in dem Skiresort in Whistler beworben.





Natur pur
Kanada ist ein riesiges Land, das nur sehr dünn besiedelt ist. Ein Großteil der Bevölkerung wohnt nahe der US-amerikanischen Grenze und in den Großstädten. Dementsprechend besteht der Rest des Landes aus Wald, Eis, kleinen Städtchen, Seen und nochmal Wald. Insbesondere in British Columbia spielen dabei natürlich noch die Berge eine gewichtige Rolle. Der vergangene Sommer war in BC leider äußerst trocken, weswegen es viele Waldbrände gab. Es gibt eine Kampagne, um diese zu verhindern, aber in diesem Land gibt es eben doch auch die Leute, die achtlos ihre Zigaretten in den Busch werfen.
Ganz anders war es auf dem Festival, auf dem ich kurz nach meiner Ankunft war. Dort wurden Recycling, Umweltschutz und der Wunsch, die Welt zu verbessern, groß geschrieben.
Über die Unmengen an Plastiktüten, in die die Produkte aus dem Supermarkt von den Kassierern verpackt werden, und die zweifelhafte Mülltrennung tröstet das leider nicht hinweg.
Außerdem spielen leider im ganzen Land die Öl- und die Holzindustrie eine enorme Rolle in Bezug auf Arbeit und Wohlstand. Das Auto wird hier (oft aufgrund mangelnder Alternative) ähnlich wie in den USA auch für sehr kurze Kurzstrecken benutzt.





Die Kanadier
Den typischen Kanadier gibt es hier nicht, denn jeder hat hier eine eigene Lebensgeschichte. Viele haben Eltern, die aus Europa nach Kanada ausgewandert sind. Die Ureinwohner Kanadas, die First Nations, haben immer noch Probleme, insbesondere mit Alkohol und anderen Drogen, aber ich habe auf dem Festival auch super integrierte First Nations getroffen. Die Einwohner British Columbias (und vermutlich auch des restlichen Landes) sind das offenste und toleranteste Volk, dem ich bis jetzt begegnet bin. Small Talk wird, vor allem in den Großstädten, mit jedem geführt; die deutsche Verschlossenheit ist hier fehl am Platz. Die Kanadier mögen ihr Land und meiner Erfahrung nach haben viele durch ihre Offenheit (für neue Ideen) auch den Willen etwas zu ändern. Die Bäume, die abgeholzt wurden, werden wieder aufgeforstet und viele Menschen bringen mittlerweile ihre eigenen Stofftaschen mit zum Einkaufen. Outdoor-Sport betreibt hier quasi jeder und ganz BC ist im Sommer in der Natur campen. Diese Naturverbundenheit fördert hoffentlich das Umweltbewusstsein der Kanadier. Nächsten Monat sind hier Wahlen, eine grüne Partei gibt es, aber sie ist noch ziemlich klein.

Der Aufenthalt in Kanada ist auf jeden Fall eine Bereicherung für mein Lebens, das kann ich jetzt schon sagen. Ich bereue es absolut nicht, den langen Weg auf mich genommen zu haben. Durch die Distanz zum Heimatland habe ich aber auch festgestellt, das Deutschland, wenn auch deutlich dichter besiedelt (was beim Reisen definitiv ein Vorteil ist), trotzdem ziemlich schön ist. Die Wälder in BC im Sommer kamen mir aus irgendeinem Grund ziemlich langweilig vor. Mittlerweile hat sich das geändert, der Indian Summer, in dem sich die Blätter gelb, orange und rot färben, rückt nah. Wie der Rest des Herbstes und der lange Winter hier sind, werde ich euch in meinen nächsten Berichten erzählen.